Die Blindenhundeschule Liestal, offiziell die Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Liestal, ist eine zentrale Institution für die Ausbildung von Blindenführhunden in der Schweiz und gehört zum Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband. Seit ihrer Gründung im Jahr 1972 verfolgt sie das Ziel, blinden und sehbehinderten Menschen mehr Mobilität, Sicherheit und Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen. Die Hunde werden sorgfältig ausgewählt und durchlaufen eine rund 18- bis 24-monatige Ausbildung. Diese beginnt in der Regel bei Pflegefamilien und wird anschliessend in Liestal professionell weitergeführt. Dabei lernen die Tiere unter anderem, sich sicher im Strassenverkehr zu bewegen, Hindernisse zu erkennen und ihre Halterinnen und Halter zuverlässig zu führen. Ein wichtiger Bestandteil ist auch der sogenannte „intelligente Ungehorsam“, bei dem der Hund ein Kommando verweigert, wenn es eine Gefahr darstellen würde. Vor der Übergabe wird jeder Hund gezielt einer passenden Person zugeteilt. In einer gemeinsamen Trainingsphase lernen Mensch und Tier, als Team im Alltag zu funktionieren. Auch nach der Abgabe gewährleistet die Schule eine langfristige Betreuung. Die Kosten für die Ausbildung eines Blindenführhundes liegen im Bereich von mehreren zehntausend Franken und werden in der Regel grösstenteils von der Invalidenversicherung sowie durch Spenden getragen, sodass für die Betroffenen selbst kaum direkte Kosten entstehen. Insgesamt leistet die Blindenhundeschule Liestal damit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Sehbehinderung in der Schweiz. Die Blindenhundeschule Liestal hat ihr Angebot in den letzten Jahren über klassische Blindenführhunde hinaus erweitert und bildet heute auch spezialisierte Assistenzhunde für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) aus. Diese Hunde übernehmen eine wichtige stabilisierende und unterstützende Funktion im Alltag der Betroffenen. Sie helfen beispielsweise dabei, Stress und Überforderung zu reduzieren, geben emotionale Sicherheit und können in herausfordernden Situationen deeskalierend wirken. Ein zentraler Einsatzbereich ist zudem die Sicherheitsunterstützung im öffentlichen Raum, etwa indem der Hund verhindert, dass ein Kind unkontrolliert wegläuft, oder indem er Orientierung und Struktur vermittelt. Die Ausbildung dieser Autismus-Assistenzhunde ist besonders anspruchsvoll, da sie nicht nur klassische Gehorsams- und Führungsaufgaben lernen, sondern auch fein auf Verhaltensweisen und Bedürfnisse von Menschen mit ASS reagieren müssen. Ebenso wichtig ist die intensive Schulung der Familien, da der Hund eng in den Alltag integriert wird und seine Wirkung stark vom Zusammenspiel mit dem Umfeld abhängt. Im Unterschied zu Blindenführhunden ist die Finanzierung solcher Assistenzhunde in der Schweiz bislang nicht durch Sozialversicherungen gedeckt, weshalb die Schule auf zusätzliche Unterstützung durch Stiftungen oder Spenden angewiesen ist. Trotzdem gewinnen Autismus-Assistenzhunde zunehmend an Bedeutung und sind ein wachsender Bestandteil des Angebots der Blindenhundeschule Liestal.