Der Verein Addis Guzo mit Sitz in Bern ist eine gemeinnützige Organisation, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2010 für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen in Äthiopien einsetzt. Seit 2012 betreibt Addis Guzo ein eigenes Zentrum in Addis Abeba, von dem aus verschiedene Programme in den Bereichen Rehabilitation, Hilfsmittelversorgung und soziale Integration umgesetzt werden. Ziel der Organisation ist es, Menschen mit Behinderungen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ihre gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu stärken. Die Arbeit von Addis Guzo erfolgt vor dem Hintergrund einer erheblichen Unterversorgung: In Äthiopien leben mehrere Millionen Menschen mit Behinderungen, von denen viele keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Therapie oder geeigneten Hilfsmitteln haben. Entsprechend konzentriert sich die Organisation auf konkrete, praxisnahe Unterstützung. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Versorgung mit Mobilitätshilfen. Dazu gehören die individuelle Abklärung, Anpassung und Abgabe von Rollstühlen sowie deren Wartung und Reparatur, um eine langfristige Nutzung sicherzustellen. Ergänzend dazu bietet das Zentrum in Addis Abeba therapeutische Leistungen an, insbesondere im Bereich der Physiotherapie. Ein wichtiger Bestandteil ist die familienzentrierte Frühförderung für Kleinkinder, die in den letzten Jahren weiter ausgebaut wurde. Dabei werden nicht nur die Kinder selbst betreut, sondern auch deren Angehörige aktiv in die Förderung einbezogen und geschult. Ein weiterer Fokus liegt auf der Förderung von Selbstständigkeit und wirtschaftlicher Integration. Addis Guzo führt Trainingsprogramme durch, in denen betroffene Personen handwerkliche Fähigkeiten sowie grundlegende unternehmerische Kenntnisse erwerben. Ziel dieser Massnahmen ist es, Einkommensmöglichkeiten zu schaffen und die Abhängigkeit von externer Unterstützung zu reduzieren. Darüber hinaus werden Programme zur sozialen Integration angeboten, etwa durch Sport- und Freizeitaktivitäten, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern. Im Berichtsjahr 2024 konnten über 3’500 Menschen direkt von den Angeboten profitieren, während die indirekte Wirkung – etwa auf Familienangehörige – auf bis zu 30’000 Personen geschätzt wird. Die Aktivitäten wurden im Rahmen des Projekts „iRi – Integration, Rehabilitation, Inklusion umgesetzt, das Ende 2024 abgeschlossen und anschliessend evaluiert wurde. Auf dieser Grundlage wurde die strategische Weiterentwicklung der Organisation vorbereitet. Addis Guzo positioniert sich zunehmend als Kompetenzzentrum für Mobilitätshilfen, pädiatrische Physiotherapie und Frühförderung. Die Organisation wird sowohl in der Schweiz als auch in Äthiopien in hohem Masse durch Freiwilligenarbeit getragen. Im Jahr 2024 wurden mehrere tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Gleichzeitig wurde in der Schweiz erstmals eine Geschäftsleitungsstelle geschaffen, um die wachsenden Aktivitäten professionell zu koordinieren und die langfristige Entwicklung zu sichern. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über Spenden sowie Beiträge von Stiftungen und Partnerorganisationen. Der administrative Aufwand bleibt vergleichsweise gering, sodass ein grosser Teil der Mittel direkt in die Projekte vor Ort fliesst. Für die kommende Projektphase ab 2025 ist vorgesehen, insbesondere die Ausbildungsangebote auszubauen, lokale Fachkompetenzen weiter zu stärken und die Programme im Bereich Frühförderung weiterzuentwickeln. Insgesamt richtet sich der Fokus zunehmend auf nachhaltige Strukturen und die Weitergabe von Wissen, um die Wirkung der Projekte langfristig zu sichern.